Mehrgenerationenarbeit in Mapuche-Gemeinden in der Region Temuco/Chile

Seit dem Jahr 2014 hat die Stiftung Seniorenhilfe weltweit Kontakt mit dem Instituto Indígena in Temuco und unterstützte die Arbeit auch 2018 und 2019 (vgl. auch Durchgeführte Projekte: Alte und junge Mapuche-Frauen engagieren sich gemeinsam für den Erhalt ihrer Kultur und Tradition).

Im Jahr 2019 wurde schwerpunktmäßig mit vier Mapuche-Seniorengruppen in Arca de Noé und Maquehue/Region Temuco gearbeitet. Außerdem hat die Fundación Indígena den Runden Tisch Senioren/innen Temuco, dem alle Seniorenorganisationen angehören, koordiniert und Aktionen zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Situation alter Menschen durchgeführt. Z.B. sind in den öffentlichen Bussen Flyer verteilt worden, die um mehr Aufmerksamkeit für alte Menschen bitten.

Die Mitglieder der vier Gruppen haben entschieden –  gerade aufgrund der vielfältigen Diskriminierung die Mapuche im Alltag erleben – , sich mit der Interamerikanischen Konvention des Schutzes der Rechte der Senioren/innen zu beschäftigen, gleichzeitig aber auch an  Workshops teilzunehmen, um traditionelle kunsthandwerkliche Techniken neu zu beleben – Korbflechten, Arbeit mit Wolle und Holz. Ein Höhepunkt der Aktivitäten im Jahr war ein Trafkintu, ein  Begegnungstreffen mit weiteren Mapuche-Gruppen, zu dem alle ihre eigenen Produkte zum Tausch mitgebracht hatten. Es wird nichts verkauft, sondern nur getauscht oder geschenkt.

Viele alte Mapuche wohnen schlecht, ohne ausreichende sanitäre Anlagen. Da die chilenische Wohnungspolitik auch Fördermöglichkeit anbietet, hat die Fundación Indígena Kontakt zu staatlichen Stellen hergestellt, so dass die Gruppen jetzt über Zuschüsse u.ä. informiert sind.

Seit Mitte Oktober 2019 erlebt Chile soziale Unruhen, die sich an der Erhöhung der Preise für den öffentlichen Nahverkehr entzündet haben, aber sehr bald alle sozialen Probleme – insbesondere die unzureichenden Renten – thematisierten. Gefordert wurde auch eine neue Verfassung, da die jetzt gültige noch aus der Zeit der Diktatur stammt. Chile ist das Land Lateinamerikas mit der größten Ungleichheit.

Obwohl der chilenische Präsident sehr bald einen Zuschuss zu den Renten genehmigte, haben sich die Proteste fortgesetzt.  In vielen Ortschaften bildeten sich Gruppen, die sich über die soziale Lage austauschten. Auch die Mapuche-Senioren/innen haben mit organisatorischer Unterstützung des Runden Tisches Senioren/innen über ihre Lage gesprochen und Probleme definiert: niedrige Renten, schwieriger Zugang zu medizinischen Diensten und Fachärzten, fehlender barrierefreier Zugang zu öffentlichen Gebäuden, Wohnungsnot und Einsamkeit. Für viele Mapuche war es eine neue Erfahrung, öffentlich über ihre eigene Situation zu sprechen.

Im März 2020 werden Gespräche mit der Fundación  Indígena über die Weiterführung der Arbeit stattfinden.

(Februar 2020)

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